Jugendmusik Wädenswil  
   
             

 

Kirchenkonzert 2004

vom 1. Februar in der reformierten Kirche

Zeitungsbericht in der Zürichseezeitung vom 3. Februar 2004
Vom Barock bis in die Neuzeit

Mit einem musikalisch und leistungsmässig hoch stehenden Konzert verwöhnte die Jugendmusik unter der Leitung von Domenico Emanuele am Sonntagabend das Publikum in der reformierten Kirche. Das umfangreiche Repertoire umfasste Werke aus dem Barock bis in die neueste Zeit.

EDITH ESCHMANN
Zweifellos versteht es der Dirigent Domenico Emanuele, die Jugendmusikerinnen und -musiker so zu motivieren, dass er das Beste aus ihnen herausholen kann. «Ihr müsst so spielen», mahnte er sie beim Einspielen, «dass eure Mutter beim Zuhören vor Ergriffenheit das Taschentuch hervorzieht.»
Kleine Musiker, grosses Spiel

Doch nicht allein das Jugendblasorchester bestach mit überdurchschnittlichen Leistungen, auch das Aspirantenkorps wusste sich erstaunlich gut zu produzieren. Langsam und feierlich stieg es mit einem Werk des Barockkomponisten Jeremiah Clarke, «Trumpet Voluntary», ins Konzert ein. Musikelemente, die nicht ganz einfach zu bewältigen waren, verlangten den 26 Spielerinnen und Spielern sowohl in der «Andromeda Ouvertüre», in der die getragene Melodie durch fröhliche Schellenringparts aufgelockert wurde, wie auch im choralartigen Menuett aus Händels «Feuerwerkmusik» alles ab. Anerkennung und Applaus des Publikums war den jungen Musikerinnen und Musikern sicher, sodass die «Aspis», wie sie auch genannt werden, um eine Zugabe nicht herum kamen.
In der Kirche tönte es grandios
Der Bach-Choral «Aus meines Herzens Grunde» habe als Vorlage für den ersten Vortrag der Jugendmusik, die sich nun auf der Bühne fitgemacht hatte, gedient, orientierte die Ansagerin. Erst der zweite Teil des Werkes liess die Melodie des bekannten Kirchenliedes erkennen. Die ungewöhnlichen Variationen schienen äusserst anspruchsvoll und schwierig zu spielen. Doch in «Beautiful Savior» von James Swearingen steigerten sich die Jugendmusikerinnen und Musiker im Choralvorspiel noch einmal. Was dem Zuhörer fast nicht mehr möglich schien, meisterten die Jugendlichen mit ihrem Dirigenten mit gewaltigem Einsatz. Was anfänglich feierlich und erhaben tönte, mündete später in ein wuchtiges Finale. Ein dynamisches Werk, das sich speziell für die Aufführung in der Kirche eignet.
In dem reich befrachteten Konzert wurden anschliessend in der Suite «Maestri Veneziani» gleich drei Komponisten vorgestellt. Dem lieblichen Allegretto von Grazioli folgte das berühmte Adagio von Marcello mit der Oboe-Solistin, und als drittes Werk Vivaldis Jagd, wo Waldhorn und Trompeten führten.
Wuchtige Fanfaren, sanfte Melodien

Von Höhepunkt zu Höhepunkt modellierte und befeuerte Domenico Emanuele seine Jugendmusikformation und damit auch das leider nicht sehr zahlreich erschienene Publikum, das jeden Vortrag mit begeistertem Applaus honorierte. Im Spagat zwischen Barock und Neuzeit folgte die 1972 von Alfred Reed komponierte Konzert-Ouvertüre «Imperatrix». Dynamik und Tempowechsel charakterisierten das Werk, in dem wuchtige Fanfaren von weichen, sanftmütigen Melodien abgelöst wurden, sodass alle Register intensiv gefordert waren. Nochmals eine grosse Herausforderung folgte im Paradestück und bekanntesten Werk Andrew Lloyd Webbers, der Rockoper «Jesus Christ Superstar». Hier sei jetzt der Augenblick, so die Ansagerin, wo «Mamis müend s Nastüechli füre näh». Etwas war da schon dran, besonders der zweite der vier Songs, «I don’t know how to love Him», war eine wirklich ergreifende Melodie. Nun hiess es tief durchatmen, denn mit der Ballettmusik aus der Oper «Faust» von Charles Gounod sei für die Jugendlichen erst der Höhepunkt gekommen. Wie es tönt, wenn der Teufel seine Seele verkauft, wurde beim Powerwerk mit Pauken und Donner und hoch konzentriertem Spiel unmissverständlich klar. Das Konzert von musikalisch hoch stehender Qualität muss für Musikerinnen, Musiker und Dirigent absolut kräfteraubend gewesen sein, trotzdem liessen sie sich vom überschwänglich applaudierenden Publikum zu zwei Zugaben überreden.