Jugendmusik Wädenswil  
   
   

 

Kirchenkonzert 2002

vom 3. Februar in der reformierten Kirche

Zeitungsbericht in der Zürichseezeitung vom 6. Februar 2002
Vitales, anspruchvolles Konzert

Genau so wie sich die Ouvertüre des letzten Konzertwerks nannte, nämlich «Jubiloso», waren die Darbietungen der Jugendmusik und des Aspirantenkorps, nämlich beglückend und fruchtbar.
Ein voller Erfolg für den neuen Dirigenten, Domenico Emanuele, und die stark spielenden jungen Musikerinnen und Musiker.

EDITH ESCHMANN
Hatte der prächtige Sonntag die Musikinteressierten mit Frühjahrs-müdigkeit eingelullt, oder war der Wahlsonntag schuld daran, dass viele Plätze in der reformierten Kirche blieben am Sonntagabend leer blieben? Doch das bremste die jugendlichen Bläser nicht, ehrgeizig folgten sie den zündenden Forderungen ihres Dirigenten. Zwei Jugendmusikerinnen führten gekonnt durch das Konzert. Mit den Aspis ging «d Poscht ab» Gedämpftes Licht verkündete den Beginn des Konzerts, und das Aspirantenkorps, liebevoll «Aspi» genannt, wurde vom Publikum mit aufmunterndem Applaus empfangen. Jetzt gehe «dänn d Poscht ab», hatte der Präsident Gérard Destraz in den Begrüssungsworten versprochen, und so war es auch.
Mit der «Hänsel-und-Gretel-Ouvertüre» stiegen sie ins Konzert ein. Unter der Direktion von Richard Strauss war das von Engelbert Humperdick komponierte Werk 1893 mit grossem Erfolg uraufgeführt worden. Unverkennbar liess sich darin «Ein Männlein steht im Walde» ausmachen. Mit ein bisschen Show, perkussiven Einwürfen und Superleistungen schmeichelten sich die jungen Bläserinnen und Bläser im Canto in die Ohren des Publikums. Während nämlich zwei Register die Melodie spielten, klatschten die andern rhythmisch den Takt dazu. «Wäge däm muesch du nöd truurig sii», nein, kein alter Schlager, sondern eine der Kompositionen von «Stephen Foster Favorites» sollte die letzte Darbietung des Aspirantenkorps sein. Damit war allerdings das Publikum nicht einverstanden, wenigstens eine kleine Zugabe musste sein. Auf der Bühne wurde es nach einer kleinen Pause bunter, die über 40 uniformierten Jugendmusikerinnen und -musiker, unterstützt von zwei Tubas, spielten sich mit «Royal Jubilée», einer klaren und rassig gespielten Fanfare, ins Konzert ein. Wieder hoben sich die Arme von Dirigent Domenico Emanuele, die Instrumente wurden in Spielstellung gebracht, und diese Bewegungen liessen sie in der Kirchenbeleuchtung funkeln. Warm, weich, im Mittelteil fast meditativ, intonierte die Jugendmusik anschliessend den Choral «Wie herrlich ist deine Schöpfung», eine Komposition, die auf schwedischen Volksliedern beruht. «One, two, one two three four», zählte der Dirigent, und temperamentvoll ertönten zwei Spirituals für Holzbläser, «Nobody Knows» und «Joshua». Der melancholische, doch verheissungsvolle Geist des Glaubens riss mit, schwoll an und endete raumgreifend in einem fulminanten Schluss. Lebensfreude und Aufbruchstimmung aus der Zeit um 1450 bis 1600 vermittelten «Renaissance Festival und Dances».
Herausforderung
Nach dem sehnsüchtigen Mittelteil erklang fein und zart der Triangel, führte zum dynamischen Volleinsatz aller Register. Grösste Herausforderung und volle Konzentration bedeuteten die brillanten Melodien aus dem Musical «The Pahntom of the Opera» für die Jugendlichen. «Und trotzdem», so hat der Dirigent der «ZSZ» verraten, «spielen sie das Werk am liebsten.» Alles kam vor: geheimnisvolle, fast unheimliche Passagen, volle Powerpartien, zarte Querflöten-und weiche Klarinettenakkorde, und nicht zuletzt wurde von den Schlagwerkern ebenfalls vollste Konzentration gefordert. Welch ein Applaus! In nichts standen die bestechenden Rhythmen, die entfesselten Tempi und die vitale Dynamik des letzten Werkes, «Ouvertüre Jubiloso», den Musicalmelodien nach. Mit fast hypnotischen Bewegungen holte Domenico Emanuele seine jungen Musikerinnen und Musiker zu einem wahren Feuerwerk ab. Das lange und anstrengende Werk forderte von den talentierten Jugendlichen alles. Zum Glück verschaffte die Übergabe eines kleinen Geschenkes an die Moderatorinnen allen, inklusive dem Dirigenten, eine kleine Pause, um Atem zu holen. Dass solche Leistungen nicht ohne Zugaben beendet werden konnten, war allen von Anfang an klar.